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Franziska Koch

Expertin für Ernährung

Franziska hat in ihrem Studium der Ernährungswissenschaften ein umfassendes Wissen angeeignet. Neben dem Schreiben über gesunde Ernährung engagiert sie sich aktiv in lokalen Kochkursen. In ihrer Freizeit probiert Franziska gerne neue Rezepte und berichtet von diesen auf ihrem Instagram-Kanal. Ihre Begeisterung für eine ausgewogene Lebensweise spiegelt sich in jedem ihrer Artikel wider.

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Franziska hat in ihrem Studium der Ernährungswissenschaften ein umfassendes Wissen angeeignet. Neben dem Schreiben über gesunde Ernährung engagiert sie sich aktiv in lokalen Kochkursen. In ihrer Freizeit probiert Franziska gerne neue Rezepte und berichtet von diesen auf ihrem Instagram-Kanal. Ihre Begeisterung für eine ausgewogene Lebensweise spiegelt sich in jedem ihrer Artikel wider.

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ca. 18 min. zu lesen

Fermentierte Lebensmittel: Was der Hype wirklich kann

Vielleicht kennst du das. Im Kühlregal stapeln sich Kimchi, Kefir und Kombucha und im nächsten Video auf dem Handy soll ein Glas davon den Darm ins Gleichgewicht bringen. Fermentierte Lebensmittel sind überall, mit ihnen die großen Versprechen. Ich wollte wissen, was davon wirklich hält und was nur gut klingt.

Dabei ist an der Idee selbst wenig neu, entscheidend ist vor allem, wie genau die Forschung inzwischen hinschaut. Genau da, zwischen altem Küchenhandwerk und junger Wissenschaft, wird es für mich spannend. In diesem Beitrag nehme ich Kimchi, Kefir, Kombucha und Co. nüchtern auseinander. Es geht um das, was belegt ist, wo der Hype übertreibt und wie du Fermentiertes sinnvoll in den Alltag holst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fermentation ist die gezielte Umwandlung von Lebensmitteln durch Mikroorganismen und ihre Enzyme.
  • Fermentiert bedeutet nicht automatisch probiotisch: Nur definierte, lebende Kulturen gelten wissenschaftlich als Probiotika.
  • EU-rechtlich ist nur eine Aussage zu lebenden Kulturen zugelassen: Joghurtkulturen verbessern die Laktoseverdauung.
  • Roh und ungehitzt zählt, denn lebende Kulturen überstehen kein starkes Erhitzen.
  • Vorsicht bei Histaminunverträglichkeit, in der Schwangerschaft und bei geschwächtem Immunsystem.

Fermentation ist alt, der Hype ist neu

Fermentation ist die gezielte Umwandlung von Lebensmitteln durch Mikroorganismen und deren Enzyme. Bakterien, Hefen oder Schimmelpilze bauen dabei Zucker und Stärke um, es entstehen Säuren, Gase oder Alkohol, und das verändert Geschmack, Textur und Haltbarkeit. Ein internationales Expertengremium hat fermentierte Lebensmittel 2021 als Produkte definiert, die „durch erwünschtes mikrobielles Wachstum und enzymatische Umwandlung von Lebensmittelbestandteilen“ entstehen (ISAPP-Konsensus, Nat Rev Gastroenterol Hepatol 2021).

Im Alltag begegnet mir das ständig. Weißkohl wird zu Sauerkraut, Milch zu Joghurt oder Kefir, Sojabohnen werden zu Tempeh. Auch Sauerteigbrot ist ein fermentiertes Produkt, obwohl nach dem Backen meist keine lebenden Kulturen mehr übrig sind. Der aktuelle Hype hat für mich einen klaren Grund: Seit das Mikrobiom stärker erforscht wird, schauen viele Menschen anders auf ihr Essen. Plötzlich zählt nicht nur, wie viel Eiweiß oder Zucker ein Produkt hat, sondern auch, was im Darm ankommt. Historisch ging es dagegen schlicht um Haltbarkeit ohne Kühlung. Dass Sauerkraut Seefahrer vor Skorbut schützte, lag an seinem Vitamin-C-Gehalt, der die Lagerung übersteht.

Ich achte dabei auf einen Punkt, der oft untergeht: Nicht jedes fermentierte Produkt liefert lebende Mikroorganismen. Erhitzen reduziert die Kulturen stark, das gilt etwa für pasteurisiertes Sauerkraut aus der Konserve oder stark verarbeitete Drinks. Deshalb unterscheide ich zwischen „fermentiert“ als Herstellungsprozess und „mit lebenden Kulturen“ als möglichem Zusatznutzen. Die folgende Übersicht ordnet gängige Beispiele danach ein.

Fermentierte Lebensmittel und lebende Kulturen beim Verzehr (typische Einordnung)
Lebensmittel Fermentationsart Lebende Kulturen beim Verzehr
Naturjoghurt, Kefir Milchsäuregärung ja, bei ausgewiesen lebenden Kulturen
Sauerkraut roh (Kühlregal) Milchsäuregärung ja
Sauerkraut aus der Konserve Milchsäuregärung nein, durch Erhitzen abgetötet
Kimchi (roh) Milchsäuregärung ja
Kombucha Hefen und Bakterien (SCOBY) teils, je nach Verarbeitung
Sauerteigbrot Milchsäure und Hefe nein, durch Backen abgetötet
Tempeh Schimmelpilz-Fermentation meist nein, da gegart verzehrt
Miso, Sojasauce Schimmel, Hefe, Bakterien teils, nur unpasteurisiert
Gereifter Käse Milchsäure- und Reifekulturen variabel

Welche Arten der Fermentation gibt es?

Fermentation ist nicht gleich Fermentation. Welche Mikroorganismen arbeiten, entscheidet über Geschmack, Säure und Alkoholgehalt, und drei Gärungsarten begegnen einem im Alltag am häufigsten. Bei der Milchsäuregärung wandeln Milchsäurebakterien Zucker in Milchsäure um, der pH-Wert sinkt und macht das Lebensmittel sauer und haltbar. Das ist die häufigste Art bei Gemüse und Milchprodukten, etwa bei Sauerkraut, Kimchi, Joghurt und Kefir. Bei der alkoholischen Gärung vergären Hefen Zucker zu Ethanol und Kohlendioxid, wie bei Bier, Wein oder im Sauerteig, wo das Gas den Teig lockert. Bei der Essigsäuregärung oxidieren Essigsäurebakterien unter Luftzufuhr Alkohol weiter zu Essigsäure, so entsteht Essig, auch Apfelessig. Manche Lebensmittel kombinieren mehrere dieser Wege, und bei Tempeh oder Miso übernehmen zusätzlich Schimmelpilze die Arbeit.

Sauerkraut

Sauerkraut ist der Klassiker der Milchsäuregärung. Fein gehobelter Weißkohl wird mit Salz geknetet, bis er Saft zieht, und dann unter Luftabschluss von Milchsäurebakterien vergoren, die den enthaltenen Zucker in Milchsäure umwandeln. Roh aus dem Kühlregal enthält Sauerkraut lebende Kulturen, die pasteurisierte Konserve dagegen nicht mehr. Geschätzt wurde es historisch vor allem wegen seines Vitamin-C-Gehalts, der die Lagerung übersteht.

Kimchi

Kimchi ist die würzige koreanische Verwandte des Sauerkrauts und beruht ebenfalls auf Milchsäuregärung. Meist wird Chinakohl zunächst gesalzen und anschließend mit einer Paste aus Chiliflocken, Knoblauch, Ingwer und weiteren Zutaten fermentiert. Das Ergebnis ist intensiv im Geschmack, bringt aber wegen der Salzung und der Würzpaste oft spürbar Salz mit.

Kombucha

Kombucha entsteht aus gesüßtem Tee und einem SCOBY, einer symbiotischen Kultur aus Bakterien und Hefen. Die Hefen vergären den Zucker zu Alkohol und Kohlendioxid, die Essigsäurebakterien wandeln den Alkohol weiter zu Säuren um, sodass aus süßem Tee ein leicht sprudelndes, säuerliches Getränk wird (Villarreal-Soto et al., J Food Sci 2018). Dabei bleibt etwas Alkohol zurück, typischerweise etwa 0,5 bis 2 Prozent, weshalb Kombucha nichts für Schwangere, Kinder oder Menschen ist, die auf Alkohol verzichten. Belege für gesundheitliche Wirkungen über den allgemeinen Effekt fermentierter Kost hinaus sind bislang dünn.

Fermentiert heißt nicht automatisch probiotisch

Nicht jedes fermentierte Lebensmittel ist ein Probiotikum. Das ist für mich der wichtigste und am häufigsten übersehene Punkt. Der wissenschaftliche Probiotika-Begriff verlangt drei Dinge: definierte, lebende Mikroorganismenstämme, in ausreichender und belegter Menge, mit einem nachgewiesenen gesundheitlichen Nutzen. Das Expertengremium des ISAPP-Konsensus trennt fermentierte Lebensmittel deshalb ausdrücklich von Probiotika. Sauerteigbrot wird gebacken, Bier gefiltert, und die meisten gereiften Käse enthalten am Ende kaum noch die ursprünglichen lebenden Kulturen. Fermentiert ja, „probiotisch“ nein.

Umgekehrt entsteht nicht alles, was als fermentiert vermarktet wird, tatsächlich durch Mikroorganismen. Schwarzer Knoblauch etwa reift vor allem durch Wärme und die sogenannte Maillard-Reaktion, nicht durch mikrobielle Gärung. Echte Fermente wie Apfelessig, der aus vergorenem Apfelsaft entsteht, gehören dagegen eindeutig dazu.

Die Unterscheidung ist auch rechtlich bedeutsam. In der EU gilt der Begriff „probiotisch“ nach der Health-Claims-Verordnung selbst als gesundheitsbezogene Aussage, für die keine wissenschaftliche Zulassung vorliegt. Er darf auf Lebensmitteln in Deutschland deshalb grundsätzlich nicht als Werbeaussage stehen, was der Europäische Bürgerbeauftragte Ende 2024 bestätigt hat. Die einzige zugelassene Aussage zu lebenden Kulturen betrifft Joghurt: „Lebende Joghurtkulturen verbessern die Laktoseverdauung des Produkts bei Personen, die Schwierigkeiten haben, Laktose zu verdauen“, gültig für Joghurt mit mindestens 108 lebenden Starterkulturen pro Gramm (EU-Register der Health Claims).

Was zeigen Studien zu Darmflora und Entzündungen?

Die bislang beachtetste Humanstudie kommt aus Stanford. In einer randomisierten Studie mit 36 gesunden Erwachsenen über zehn Wochen erhöhte eine an fermentierten Lebensmitteln reiche Ernährung die Vielfalt der Darmflora, und zwar umso stärker, je größer die verzehrten Mengen waren. Gleichzeitig sanken 19 im Blut gemessene Entzündungsmarker, darunter Interleukin 6, und vier Arten von Immunzellen zeigten eine geringere Aktivierung (Wastyk et al., Cell 2021).

Bemerkenswert fand ich den Vergleich: 

Eine parallele ballaststoffreiche Kost steigerte die mikrobielle Vielfalt in derselben Studie nicht.

So spannend das ist, ich lese es mit Vorsicht. Es bleibt ein Proof-of-Concept mit kleiner Teilnehmerzahl, gesunden Probanden und wenigen Wochen Laufzeit. Ein weiterer Einwand ist mir wichtig: Eine höhere Vielfalt in Stuhlproben bedeutet nicht automatisch eine dauerhaft veränderte Darmbesiedlung. Die Studienautoren konnten die neu aufgetauchten Bakterien überwiegend gar nicht in den verzehrten Lebensmitteln nachweisen, was zeigt, wie viel hier noch offen ist. Für viele andere fermentierte Lebensmittel stützt sich die Datenlage zudem auf Beobachtungsstudien. Effekte sind biologisch plausibel, ein Ursache-Wirkungs-Beweis ist das nicht. Gut belegt ist der Zusammenhang zwischen fermentierten Lebensmitteln und einer vielfältigeren Darmflora, ein regulatorisch anerkannter gesundheitlicher Wirknachweis für die Kategorie existiert dagegen nicht, abgesehen von der genannten Joghurt-Ausnahme.

Wo der Hype übertreibt

Gerade weil die Forschung spannend ist, schießt die Vermarktung oft über das Ziel hinaus. Auf Social Media klingt es schnell so, als könne ein Glas Kombucha den Darm sanieren. So einfach ist es nicht, und drei Dinge halte ich für nötig zu sagen.

Erstens ist „fermentiert“ kein Qualitätssiegel. Kimchi und Sauerkraut können viel Salz enthalten, Kombucha je nach Produkt überraschend viel Zucker, und Fruchtjoghurts sind oft eher Dessert als Gesundheitsessen. Selbst bei Kefir lohnt für mich der Blick auf die Zutatenliste. Zweitens verträgt nicht jeder solche Produkte gleich gut. Histamin kann bei empfindlichen Menschen Kopfschmerzen, Hautreaktionen oder Bauchbeschwerden auslösen. Wer Reizdarm, Migräne oder eine bekannte Histaminunverträglichkeit hat, sollte klein anfangen. Mir persönlich bekommen zwei Gabeln rohes Sauerkraut oft besser als eine große Portion. Drittens ersetzen fermentierte Lebensmittel keine ballaststoffreiche Ernährung. Der Darm lebt nicht nur von Mikroben, sondern auch von dem, was diese Mikroben füttert. Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn wie Haferflocken und Nüsse bleiben deshalb die Basis.

Welche fermentierten Lebensmittel sich im Alltag lohnen

Wer fermentierte Lebensmittel sinnvoll einbauen will, braucht keine exotische Einkaufsliste. Ich starte meist mit Naturjoghurt oder Kefir, beide sind leicht verfügbar, vergleichsweise günstig und für viele Menschen gut verträglich. Danach kommen kleine Mengen rohes Sauerkraut aus dem Kühlregal. Kimchi mag ich auch, greife aber wegen des Salzgehalts seltener dazu. Tempeh finde ich besonders praktisch, weil er Fermentation mit einer guten pflanzlichen Eiweißquelle verbindet. Ein netter Nebeneffekt der Fermentation von Getreide und Hülsenfrüchten ist, dass sie einen Teil der pflanzlichen „Antinährstoffe“ wie Phytat abbaut und so die Aufnahme mancher Mineralstoffe verbessern kann. Für mich wirkt Tempeh deshalb weniger wie Trendküche, eher wie kluge Verarbeitung.

Beim Einkauf helfen mir ein paar einfache Regeln. Ich wähle möglichst wenig verarbeitete Produkte mit kurzer Zutatenliste, bevorzuge Naturjoghurt, Kefir und rohes Sauerkraut statt stark gesüßter Varianten, teste Neues in kleinen Mengen und sehe Fermentiertes als Teil der Ernährung, nicht als tägliche Pflicht. Am meisten bringt am Ende die Regelmäßigkeit, also kleine Portionen über Wochen statt einzelner großer Mengen. Genau das passt auch besser zu den vorhandenen Studien. Sinnvoll ist die Kombination mit ballaststoffreicher Kost, denn Ballaststoffe sind das Futter der Darmbakterien. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt als Richtwert mindestens 30 Gramm pro Tag, ein Ziel, das viele nicht erreichen (DGE 2022). Fermentierte Lebensmittel sind damit ein Baustein neben anderen gesunden Lebensmitteln mit echtem Mehrwert im Alltag.

Wer selbst fermentieren möchte, hält es am besten simpel. Saubere Gefäße sind Pflicht, und ich nutze Glas oder lebensmittelechte Keramik statt reaktiver Metalle wie Aluminium oder Kupfer, weil bei der Gärung Säure entsteht. Mit Kohl, Salz und Zeit kommt man schon weit. Ich würde am Anfang keine wilden Mischungen ansetzen, sondern erst ein schlichtes Sauerkraut probieren, und den Ansatz beim ersten Zeichen von Schimmel oder faulem Geruch entsorgen.

Kombucha selbst ansetzen: Grundrezept

Kombucha lässt sich mit wenig Ausstattung selbst herstellen, nötig sind vor allem ein SCOBY, etwas Starterflüssigkeit, Sauberkeit und Geduld. Das folgende Grundrezept ergibt ungefähr einen Liter.

Grundrezept Kombucha (ca. 1 Liter)

Zutaten

  • 1 Liter Wasser
  • 2 EL loser Schwarz- oder Grüntee (oder 3 bis 4 Teebeutel)
  • 70 bis 80 g Zucker
  • 1 SCOBY (Kombucha-Kultur)
  • 100 bis 150 ml Starterflüssigkeit (fertiger, ungezuckerter Kombucha aus einem früheren Ansatz)

Zubereitung

  1. Wasser aufkochen, Tee 10 bis 15 Minuten ziehen lassen, dann entfernen.
  2. Zucker im heißen Tee vollständig auflösen.
  3. Tee auf Raumtemperatur abkühlen lassen, unbedingt unter 30 Grad, sonst stirbt die Kultur.
  4. Tee in ein sauberes, weithalsiges Glasgefäß füllen und SCOBY sowie Starterflüssigkeit zugeben.
  5. Gefäß mit einem Tuch abdecken und mit einem Gummiband fixieren, damit Luft zirkuliert, aber keine Fruchtfliegen hineingelangen. Nicht luftdicht verschließen.
  6. 7 bis 10 Tage bei Raumtemperatur an einem dunklen Ort gären lassen. Ab Tag 7 probieren, denn je länger es gärt, desto säuerlicher wird es.
  7. SCOBY samt 100 bis 150 ml Flüssigkeit als Starter für den nächsten Ansatz zurückbehalten, den Rest abfüllen und kühl stellen.

Beim Selbermachen zählt Hygiene. Verwende nur Glas oder lebensmittelechte Materialien, keine reaktiven Metalle wie Aluminium. Ein essigartiger Geruch ist normal, pelzige, trockene oder verfärbte Stellen deuten dagegen auf Schimmel hin, und dann gehört der gesamte Ansatz entsorgt. Weil bei der Gärung etwas Alkohol entsteht, ist selbst gemachter Kombucha nichts für Schwangere, Kinder oder Menschen, die auf Alkohol verzichten, und bei geschwächtem Immunsystem ist Zurückhaltung ratsam.

Worauf du bei fermentierten Lebensmitteln achten solltest

Fermentierte Lebensmittel sind für die meisten Menschen gut verträglich, ein paar Einschränkungen gehören aber dazu. Gereifte und lange fermentierte Produkte wie reifer Käse, Sauerkraut oder Sojasauce enthalten oft viel Histamin und andere biogene Amine, die bei empfindlichen Personen Kopfschmerzen, Hautreaktionen oder Bauchbeschwerden auslösen können. Wer eine bekannte Histaminunverträglichkeit, einen Reizdarm oder Migräne hat, sollte deshalb klein anfangen. Ebenfalls im Blick behalten würde ich Salz und Zucker, denn Sauerkraut, Kimchi und viele Käse sind salzreich, und manche Kombucha-Getränke bringen spürbar Zucker mit. In der Gesamternährung zählt das mit.

Für Schwangere gelten eigene Regeln. Rohmilch und Rohmilchkäse sowie Weichkäse mit Rinde und rohe, unerhitzte Fermente sollten sie meiden, da diese Listerien enthalten können. Lang gereifter Hartkäse aus Rohmilch gilt als unbedenklicher, wenn die Rinde entfernt wird (BZfE / Netzwerk Gesund ins Leben). Auch bei geschwächtem Immunsystem ist bei unerhitzten Rohfermenten Vorsicht angebracht. Wer selbst fermentiert, achtet am besten auf saubere Gefäße, ausreichend Salz und eine vollständige Bedeckung mit Lake und entsorgt den Ansatz beim ersten Zeichen von Schimmel oder faulem Geruch. Bei bekannten Unverträglichkeiten, chronischen Darmerkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit oder bei Unsicherheit lohnt es sich, das Thema ärztlich abzuklären.

Fazit: Warum ich den Hype nur halb mitmache

Sauerkraut bleibt für mich kein Wunderprodukt, auch wenn es heute oft so verkauft wird. Der Hype hat aber einen realen Kern, weil fermentierte Lebensmittel in Studien die Darmflora beeinflussen und Entzündungsmarker senken können. Ich mache den Trend deshalb nur halb mit: Ich glaube an den Nutzen, nicht an die großen Versprechen. Ähnlich wie bei Beeren und ihren Antioxidantien steht für mich die Funktion vor dem Hype. Fermentiert ist nicht dasselbe wie probiotisch, die Datenlage ist für viele Produkte noch dünn, und die meisten gesundheitlichen Versprechen sind rechtlich gar nicht zugelassen. Wenn du fermentierte Produkte magst und gut verträgst, sind sie eine sinnvolle Ergänzung, besonders neben viel Ballaststoff und wenig stark verarbeiteten Lebensmitteln. Am überzeugendsten finde ich nicht das Marketing, sondern die schlichte Idee dahinter: alte Küchenpraxis trifft auf moderne Mikrobiomforschung, ganz ohne Magie.

Häufige Fragen rund um fermentierte Lebensmittel

  • Sind fermentierte Lebensmittel dasselbe wie Probiotika?

    Nein. Fermentierte Lebensmittel entstehen durch erwünschtes mikrobielles Wachstum, enthalten aber nicht automatisch definierte, lebende Kulturen in belegter Menge mit nachgewiesenem Nutzen. Viele Fermente wie Sauerteigbrot, Bier oder die meisten Käsesorten enthalten am Ende kaum noch lebende Kulturen.

  • Muss ich fermentierte Lebensmittel roh essen, damit lebende Kulturen enthalten sind?

    Lebende Kulturen überstehen nur unerhitzte Fermente. Rohes Sauerkraut aus dem Kühlregal, Naturjoghurt, Kefir oder unpasteurisiertes Kimchi enthalten lebende Mikroorganismen, stark erhitzte Produkte wie Sauerteigbrot oder Dosensauerkraut dagegen nicht mehr.

  • Wie viel fermentiertes Essen ist im Alltag sinnvoll?

    In der Stanford-Studie stieg der Effekt mit der Menge, ein fester Richtwert existiert jedoch nicht. In der Praxis bewährt es sich, klein zu starten, etwa mit ein bis zwei kleinen Portionen täglich, und die Menge langsam zu steigern, am besten kombiniert mit ballaststoffreicher Kost.

  • Für wen sind fermentierte Lebensmittel weniger geeignet?

    Bei Histaminunverträglichkeit können gereifte und lange fermentierte Produkte Beschwerden auslösen. Schwangere sollten Rohmilchprodukte und rohe, unerhitzte Fermente meiden. Auch Menschen mit geschwächtem Immunsystem sollten unerhitzte Rohfermente vorsichtig einsetzen und im Zweifel ärztlich abklären.

  • Kann ich fermentierte Lebensmittel selbst herstellen?

    Ja, vor allem Gemüsefermentation gelingt zu Hause mit Salzlake und Sauberkeit. Wichtig sind saubere Gefäße, ausreichend Salz und dass das Ferment vollständig mit Lake bedeckt bleibt. Bei Schimmel, faulem Geruch oder unklarem Verlauf gehört der Ansatz entsorgt.

Quellen

  1. Marco M. L. et al., ISAPP consensus statement on fermented foods, Nat Rev Gastroenterol Hepatol 2021. DOI 10.1038/s41575-020-00390-5.
  2. Wastyk H. C. et al., Gut-microbiota-targeted diets modulate human immune status, Cell 2021. DOI 10.1016/j.cell.2021.06.019.
  3. Europäische Kommission, EU-Register der Health Claims (VO (EU) 432/2012).
  4. Villarreal-Soto S. A. et al., Understanding Kombucha Tea Fermentation: A Review, J Food Sci 2018. DOI 10.1111/1750-3841.14068.
  5. Nkhata S. G. et al., Fermentation and germination improve nutritional value of cereals and legumes, Food Sci Nutr 2018. DOI 10.1002/fsn3.846.
  6. BZfE / Netzwerk Gesund ins Leben, Listeriose und Toxoplasmose in der Schwangerschaft.
  7. DGE, Ballaststoffe senken das Sterberisiko (mind. 30 g/Tag), 2022.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Fermentierte Lebensmittel sind Lebensmittel, keine Arzneimittel. Bei gesundheitlichen Fragen, Vorerkrankungen, Unverträglichkeiten, Schwangerschaft und Stillzeit oder Dauermedikation bitte ärztlichen oder apothekerlichen Rat einholen.

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